Grippeimpfung: Wann der beste Zeitpunkt ist
Jedes Jahr dieselbe Frage am Tresen: „Ist es dafür nicht noch zu früh?“ – und sechs Wochen später von denselben Menschen: „Lohnt sich das jetzt überhaupt noch?“ Beides lässt sich klar beantworten.
Die Grippeimpfung hat ein Zeitfenster, und es ist schmaler, als viele denken. Wer zu früh impft, hat im Februar womöglich weniger Schutz, als er glaubt. Wer zu spät kommt, ist in den ersten Wochen der Welle ungeschützt. Dazwischen liegen etwa acht Wochen, in denen alles passt.
Oktober und November – und warum gerade dann
Das Robert Koch-Institut empfiehlt, die Grippeimpfung vorzugsweise im Oktober oder November durchführen zu lassen. Die Ständige Impfkommission nennt als Gesamtzeitraum Oktober bis Mitte Dezember.
Dahinter stehen zwei Überlegungen, die gegeneinander abgewogen werden. Nach der Impfung braucht der Körper etwa zehn bis vierzehn Tage, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist. Wer erst impft, wenn die Welle bereits läuft, geht also mindestens zwei Wochen ungeschützt durch die Infektsaison. Das spricht für früh.
Gleichzeitig lässt der Impfschutz im Lauf der Monate nach. Die Grippewelle in Deutschland erreicht ihren Höhepunkt meist zwischen Januar und März. Eine Impfung im August oder frühen September wäre dann schon einige Monate alt – gerade bei älteren Menschen kann der Schutz zum kritischen Zeitpunkt messbar schwächer sein. Das spricht gegen zu früh.
Kurz gesagt: Oktober und November sind kein bürokratisches Datum, sondern der Kompromiss zwischen „rechtzeitig aufgebaut“ und „hält noch bis März“.
Ist Dezember zu spät?
Nein. Solange die Welle noch nicht rollt, ist eine Impfung im Dezember sinnvoll – die STIKO schließt Mitte Dezember ausdrücklich ein. Und selbst wenn die Welle begonnen hat, gilt: Eine Impfung ist immer noch besser als keine, denn die Saison dauert typischerweise bis in den März oder April.
Verschieben Sie den Termin also nicht mit der Begründung, es sei ohnehin zu spät. Kommen Sie einfach. Wir sagen Ihnen im Gespräch, ob es in Ihrer Situation noch sinnvoll ist.
Für wen die STIKO die Impfung empfiehlt
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für alle Menschen ab 60 Jahren sowie – unabhängig vom Alter – für Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf. Dazu gehören:
- Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems, der Leber oder der Nieren, mit Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen, mit neurologischen Grunderkrankungen oder einer Immunschwäche
- Schwangere – grundsätzlich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel; besteht bereits eine Grunderkrankung, kann die Impfung schon im ersten Drittel empfohlen sein
- Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
- Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen und in der Pflege
- Menschen mit erhöhtem beruflichem Kontakt zu vielen anderen Personen
- Personen, die mit Risikopatienten in einem Haushalt leben und sie anstecken könnten
Für alle genannten Gruppen ist die Impfung Kassenleistung – Sie brauchen nur Ihre Versichertenkarte. Wer nicht dazugehört, sich aber trotzdem impfen lassen möchte, kann das als Selbstzahler tun; einige Krankenkassen übernehmen die Kosten auch dann freiwillig. Fragen Sie im Zweifel kurz bei Ihrer Kasse nach.
Ab 60: Hochdosis oder Wirkverstärker
Mit dem Alter fällt die Immunantwort auf Impfungen schwächer aus. Deshalb empfiehlt die STIKO für Menschen ab 60 Jahren keinen Standardimpfstoff, sondern entweder einen Hochdosis-Impfstoff oder einen MF59-adjuvantierten Impfstoff, also einen mit Wirkverstärker. Beide bewertet sie für diese Altersgruppe als gleichwertig.
Sie müssen sich darum nicht selbst kümmern. Wir wählen den passenden Impfstoff aus – Sie bekommen in der Praxis das, was für Ihr Alter und Ihre Situation vorgesehen ist.
Warum jedes Jahr neu?
Zwei Gründe. Erstens verändern sich die Grippeviren laufend. Die Weltgesundheitsorganisation legt deshalb jedes Jahr neu fest, gegen welche Virusvarianten die Impfstoffe der kommenden Saison gerichtet sein sollen. Der Impfstoff des Vorjahres passt oft nicht mehr zu dem, was gerade zirkuliert.
Zweitens lässt der Schutz nach. Selbst wenn die Virusvarianten gleich blieben, wäre der Schutz nach zwölf Monaten deutlich geringer als nach zwei.
Eine Änderung der letzten Jahre erklärt nebenbei eine häufige Rückfrage: Die Impfstoffe sind inzwischen trivalent statt tetravalent, sie richten sich also gegen drei statt vier Virusvarianten. Das ist keine Sparmaßnahme. Die Linie B/Yamagata wurde weltweit seit März 2020 nicht mehr nachgewiesen – eine Komponente dagegen wäre schlicht überflüssig.
Was die Impfung leisten kann – und was nicht
Die Grippeimpfung verhindert nicht jede Ansteckung. Wie gut sie in einer Saison wirkt, hängt davon ab, wie genau die ausgewählten Virusvarianten zu den tatsächlich zirkulierenden passen, und vom Alter und Immunsystem der geimpften Person.
Ihr eigentlicher Zweck ist ein anderer: Sie soll schwere Verläufe seltener machen – Lungenentzündungen, Krankenhausaufenthalte, die Entgleisung einer bestehenden Herz- oder Lungenerkrankung. Für Menschen über 60 und für chronisch Kranke ist genau das der Punkt.
Wer nach der Impfung ein bis zwei Tage müde ist, Kopf- und Gliederschmerzen hat oder einen leicht geröteten Oberarm bemerkt, erlebt keine Grippe, sondern eine normale Reaktion des Immunsystems. Der Impfstoff enthält keine vermehrungsfähigen Viren – eine Grippe kann er nicht auslösen.
Was Sie jetzt tun können
- Termin in den nächsten Wochen legen. Oktober und November sind das Fenster – je früher im Fenster, desto entspannter.
- Impfpass mitbringen. Wir tragen die Impfung ein und sehen im selben Termin nach, ob andere Auffrischungen anstehen. Tetanus und Keuchhusten werden regelmäßig vergessen.
- Bei akutem Infekt absagen. Wer Fieber hat, wird nicht geimpft. Ein Schnupfen ohne Fieber ist dagegen kein Hinderungsgrund.
- An Angehörige denken. Wer mit einem pflegebedürftigen oder chronisch kranken Menschen zusammenlebt, schützt mit der eigenen Impfung auch ihn.
Impftermin in Nürnberg
Wir impfen in der Praxis am Kopernikusplatz 13 – ohne langes Vorgespräch, meist in wenigen Minuten. Für alle von der STIKO empfohlenen Gruppen ist die Impfung Kassenleistung.
Termin buchenHäufige Fragen
Ja. Totimpfstoffe können grundsätzlich gleichzeitig verabreicht werden, üblicherweise in verschiedene Arme. Das gilt auch für die Kombination mit einer Corona-Impfung oder – je nach Alter und Vorgeschichte – mit der Impfung gegen Gürtelrose oder Pneumokokken.
Ob das in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir im Termin. Manchmal ist es angenehmer, zwei Impfungen auf zwei Termine zu verteilen, einfach weil die Reaktionen dann nicht zusammenfallen.
Ja. Eine durchgemachte Grippe hinterlässt Schutz nur gegen genau die Virusvariante, die sie ausgelöst hat – und auch der lässt nach. In jeder Saison zirkulieren mehrere Varianten gleichzeitig, und sie verändern sich von Jahr zu Jahr.
Dazu kommt: Was viele als „Grippe“ erlebt haben, war ein grippaler Infekt durch ein ganz anderes Virus. Eine echte Influenza ohne Labornachweis lässt sich im Rückblick kaum sicher bestimmen.
Die STIKO empfiehlt sie in dieser Situation nicht ausdrücklich – das ist etwas anderes, als von ihr abzuraten. Sinnvoll sein kann sie trotzdem: wenn Sie beruflich viel Kontakt zu Menschen haben, wenn ein Ausfall über eine Woche für Sie schwer wiegt, oder wenn Sie mit jemandem zusammenleben, der ein Risiko hat.
Eine echte Influenza ist keine Erkältung. Sie beginnt meist plötzlich, mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl, und wirft viele Menschen ein bis zwei Wochen aus der Bahn.
Weil die Zusammensetzung Monate im Voraus festgelegt werden muss. Die Weltgesundheitsorganisation entscheidet im Frühjahr, welche Virusvarianten im kommenden Winter am wahrscheinlichsten zirkulieren – die Produktion braucht diese Vorlaufzeit.
Verändern sich die Viren danach stärker als erwartet, passt der Impfstoff weniger gut. Selbst dann bleibt der Schutz vor schweren Verläufen aber in der Regel besser erhalten als der Schutz vor einer Ansteckung überhaupt.
Ja. Eine gerinnungshemmende Therapie ist kein Hinderungsgrund. Wir verwenden eine feine Kanüle und drücken die Einstichstelle anschließend etwas länger ab. Ein kleiner blauer Fleck kann entstehen, ist aber harmlos.
Sagen Sie uns vorher trotzdem Bescheid, welches Präparat Sie einnehmen – dann stellen wir uns darauf ein.
Quellen
- Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Influenza – Impfempfehlung. Stand 10.09.2026.
- Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Influenza – Indikationsgruppen. Stand 10.09.2026.
- Ständige Impfkommission: Empfehlungen der STIKO beim Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 2026.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: PraxisInfo Influenza, September 2026.
- Weltgesundheitsorganisation: Empfehlung zur Zusammensetzung der Influenza-Impfstoffe für die Saison 2026/2027, Nordhalbkugel.
✓Yuliya Belyavskaya
Fachärztin für Allgemeinmedizin · Praxis am Kopernikusplatz, Nürnberg
Diesen Beitrag habe ich fachlich geprüft und freigegeben. Die Angaben folgen den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission und dem Stand der aufgeführten Quellen. Was sich in den Empfehlungen ändert, ändern wir auch hier – wir sehen unsere Beiträge regelmäßig durch.
Stand: 27. September 2026 · Mehr über die Praxis

